Wenn Schule zur Studiobühne wird: "Dädalus und Ikarus" als Klassentheater

In der vergangenen Woche schlugen die Emotionen bei den Lernenden der Klasse 6b hoch, denn neben der Generalprobe am Montag standen bereits Dienstag im Anschluss an den Unterricht die Premiere samt direkt nachfolgender zweiter Vorstellung an. Nur einen Tag später kam dann die 5b zu Besuch in den zum Theaterraum umgestellten Lernraum 6.
 
Vor etwas mehr als vier Wochen entstand die Idee, die neue Fassung des antiken Stoffes durch die Autorinnen Noa Bretschneider und Lara Hahn als Klassentheater umzusetzen.
 
Und so begaben wir uns in einen sehr spannenden und produktiven Lernprozess. 32 Kinder suchten und fanden ihre Rollen, entwarfen und verwarfen Requisiten aus Papier, entwickelten einen Sonnentanz und übernahmen die Regie. Andere kümmerten sich um Musik, Besetzungspläne, Plakat und Einladungen. Und das alles jeweils als Team. "Ich habe gelernt, Kompromisse einzugehen", oder "das Stück wurde besser, als wir alle zusammengearbeitet haben", so lauten einige der Rückmeldungen aus der schriftlichen Reflexionsaufgabe, die als Abschluss einer enorm intensiven Zusammenarbeit der letzten Woche formuliert wurden. "Ich habe nun mehr mit anderen Leuten zu tun als vorher" und "ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, wenn andere das, was man schreibt, umsetzen." Sie sind zu Recht stolz auf das Geleistete und haben in einer didaktisch adaptierten Fassung den jüngeren Schülerinnen und Schülern der 5b ein echtes Theatererlebnis beschert.
 
Das sei zwar mehr Arbeit gewesen als eine übliche Klassenarbeit zu schreiben, und zwischendurch waren sich alle auch nicht sicher, ob es gelingen würde. "Aber es macht mehr Spaß!", fasst ein Schüler der 6b zusammen. Man lerne sehr genau das, was der jeweils andere leiste, zu schätzen. "Das hat uns näher zusammengebracht!"
 
Während nach den ersten Aufführungen noch einzelne am Aufräumen hängenbleiben, sieht das am nächsten Tag anders aus. Da packen alle mit an. Und das ist symptomatisch für die Zeit, die wir mit diesem Projekt der Umsetzung des antiken Sagenstoffes verbracht haben. Ideen haben und entwickeln, umsetzen, ausprobieren, anpassen, resümieren, neu heran gehen, ... Entwicklung ist ein Prozess und das Ergebnis sieht anders aus als man zuerst dachte, das haben wir als Erkenntnisse alle mitgenommen. Kooperation verlangt Kommunikation. Kritik als notwendiger Bestandteil ermöglicht Verbesserung. Und Übung bringt was!
 
Ein besonderer Dank gilt dem Premierenpublikum, das sich so zahlreich wie liebevoll aus Eltern, Geschwistern und Großeltern zusammensetzte, dass zwei Aufführungen hintereinander stattfanden.
 
Und na klar, es wird weitergehen. Die ersten Autorenteams haben begonnen, zu schreiben. Diesmal soll der ganze Stoff aus der eigenen Feder stammen...