Mein Aufenthalt in Ipswich – zwischen „Boardingexperience“ und „Atrium“

Vom 24. November bis zum 05. Dezember 2025 hatte ich die Gelegenheit eines Aufenthalts am St. Josephs College in Ipswich, im Südosten Englands. Über unsere Partnerschule hatte ich schon Einiges gehört, von anderen THEO-Schülern, welche zuvor den Weg in die Großstadt am Orwell eingeschlagen hatten.

So startete ich die Reise an einem verschneiten Morgen vom Flughafen Köln/Bonn, von welchem der Flieger mit den ersten Sonnenstrahlen in Richtung London Stansted aufbrechen sollte. Nach dem raschen Flug war es ein besonderes Gefühl, in einem anderen Land anzukommen, mit anderer Sprache und anderer Kultur. Per Bus gelangte ich nach Ipswich, wo ich im Sekretariat des sogenannten Boarding, dem Internat der Schule, herzlich empfangen wurde.

Mir zeigte ein anderer Schüler das mir zugeteilte Zimmer, bevor ich mit ihm, mit dem entsprechenden britischen Schuldresscode, über den Campus zum „Atrium“, dem exklusiven Aufenthaltsgebäude der „Sixth Form“, der dortigen Oberstufe, lief.

Dort wurde ich von sehr vielen Schülern sehr freundlich empfangen, bevor ich meinen Stundenplan bekam und ein iPad zum Gebrauch im Unterricht.

Ich hatte zuvor die Fächer Soziologie, Geschichte und BWL gewählt, da in der englischen „Sixth Form“ nur die drei Fächer belegt werden, in welchen dann am Ende von zwei Jahren die Abschlussprüfungen abgelegt werden. Zusätzlich gibt es für jeden Schüler die sogenannte „Registration“ morgens und mittags, welche in einer bestimmten Gruppe mit einem zugeteilten Lehrer verbracht wird, welcher quasi als direkter Ansprechpartner für alles Schulisches fungiert. Ferner, eine verpflichtende Stunde Chor je Woche und einen verpflichtenden Sportkurs, welcher aus diversen Sportarten gewählt wird und aus welchen ich mich für Fußball entschied.

Der Unterricht im Allgemeinen überraschte mich, da einerseits Fächer angeboten werden, die so am THEO nicht angeboten werden und sich der Unterricht im Kern dadurch unterscheidet, dass er mehr der Universität als einer Schule ähnelt. Häufig hielt der Lehrer einen Vortrag über verschiedene Themen und es war die Aufgabe, mitzuschreiben und Verständnisfragen zu stellen.

Des Weiteren war der Geschichtsunterricht sehr interessant, da er, konträr zum Unterricht in Deutschland, beispielsweise Beziehungen von verschiedenen britischen Generälen zu Churchill veranschaulichte, aber insgesamt auch weniger eigenständiges Bewerten von diversen Themen einforderte. Positiv fielen auch die kleinen Kurse auf, wodurch insbesondere persönliches Lehrerfeedback häufiger verteilt werden kann. So fühlte ich mich in jedem Kurs sofort willkommen, sodass mir der Unterricht viel Freude bereitete.

Auch sportlich wusste die Schule zu überzeugen, da ich am Wochenende sowohl ein Rugbyspiel, was ich vorher noch nie gesehen hatte und ein Fußballspiel der Schulmannschaft sehen durfte. Viele der Spieler kannte ich aus dem Boarding, da einige Schüler aufgrund ihres sportlichen Talents manchmal sogar aus anderen Ländern kommen, um für die Schule ihre Sportart auszuüben und gleichzeitig den Schulabschluss zu machen.

Insbesondere das Leben im besagten Boarding war eine besondere Erfahrung für mich, da dort viele verschiedene Nationalitäten aufeinandertreffen und ich so nicht nur Briten, sondern auch Menschen aus beispielsweise den Niederlanden, Nigeria, Südafrika oder China kennenlernen durfte.

Der Tagesablauf im Boarding war strikt strukturiert in Essenszeiten, Lernzeiten oder auch gemeinsame Freizeit im Aufenthaltsraum, wo wir dann Fußball schauten oder Tischtennis spielten. Im Aufenthaltsraum war dabei aber oft eine sehr familiäre Atmosphäre, nicht nur zwischen den Schülern, sondern auch zu den anwesenden Betreuern. Allgemein lässt sich sagen, dass trotz Fokus auf Disziplin und schulische Leistungen stets eine herzliche Atmosphäre vorherrschte. So wurde zum Beispiel vor dem ersten Dezember ein Schokoladenadventskalender mit meinem Namen auf meinem Schreibtisch gestellt, ohne, dass ich damit vorher gerechnet hätte.

Am Wochenende besuchte ich gemeinsam mit anderen Boarding-Schülern sowohl einen Weihnachtsmarkt in Bury St. Edmunds als auch Ipswich selbst. Beide Städte empfand ich sehr angenehm und beschaulich, insbesondere wegen so mancher mittelalterlicher Gebäude und Kirchen. Wir fuhren mit den speziellen Kleinbussen der Schule zum Weihnachtsmarkt in Bury St. Edmunds mit atmosphärischer Musik und als wir ankamen, lernte die Gruppe im anderen Kleinbus, dass maximale Fahrzeughöhen auf Parkplätzen sehr wohl eine Bedeutung haben. Unsere gesamte Gruppe stieg ebenfalls in den anderen Kleinbus, wodurch das Problem schnell gelöst wurde.

Solche gemeinsamen Erlebnisse am Wochenende und das gemeinsame Lernen unter der Woche prägen die Erfahrung im Boarding, die einfach besonders ist und die es sich lohnt einmal zu erleben, in seiner Schulzeit. Die „Boardingexperience“ unterscheidet sich absolut vom normalen Schultag der meisten, zum Beispiel am Theo.   

Außerdem durfte ich in meiner Zeit in Ipswich in der Schulband mitspielen, in welcher wir uns auf das Weihnachtskonzert vorbereiteten. Einige Lehrer kannten das THEO als Partnerschule und konnten sich an ein Weihnachtskonzert in der Marktkirche erinnern, was sie bei einem Besuch am THEO miterlebt hatten.

So hatte auch der Schulleiter, welcher gleichzeitig mein Geschichtslehrer war, lobende Worte für die Musik des THEOs und hoffte auf baldige, weitere am besten musikalische Besuche beiderseits, um die Kooperation zwischen THEO und St. Jos, so der Spitzname der Schule, langfristig zu stärken.

Dem kann ich mich nur anschließen, denn ich habe viel Positives in England erfahren und erlebt und viele neue Bekanntschaften geschlossen, sodass ich nur wiederholen kann, dass eine gut gepflegte Partnerschaft für beide Seiten eine hervorragende Sache ist!

Der Aufenthalt in Ipswich wird mir immer sehr positiv in Erinnerung bleiben und so hoffe ich, dass auch in Zukunft noch viele weitere THEO-Schüler den Weg nach Ipswich zum St. Josephs College finden werden!       

Justus Michaelis, EF