Gedenkstättenfahrt nach Weimar
Darum sind wir heute hier – um zu gedenken.
Gedenken? Aber warum gedenken wir? Im Vorfeld haben wir uns intensiv mit der Geschichte Buchenwalds auseinandergesetzt – mit der systematischen Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung verschiedener Bevölkerungsgruppen im Nationalsozialismus. Doch war uns wirklich bewusst, wie unvorstellbar grausam und menschenverachtend dieser Terror war? Ganz begreifen werden wir es nie. Der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers hat uns jedoch ein Stück näher an dieses Verständnis herangeführt. Und genau darin liegt der Sinn des Gedenkens: Wir dürfen nicht zulassen, dass Geschichte in Vergessenheit gerät. Wir tragen die Verantwortung, aus ihr zu lernen – damit sie sich nicht wiederholt.
Die neu eingeführte Gedenkstättenfahrt fand in diesem Jahr erstmals für die zehnten Klassen statt. Auf Initiative der Schülerschaft wurde sie neu in das Fahrtenprogramm der Schule aufgenommen. Im Mittelpunkt standen Gedenken und Erinnerungskultur, zugleich sollte allen die Möglichkeit kultureller Bildung eröffnet werden. So beschäftigten wir uns vom 10. bis 13. März nicht nur mit Buchenwald und dem Nationalsozialismus, sondern mit drei Epochen der deutschen Geschichte.
Am ersten Tag widmeten wir uns der Weimarer Klassik. Goethe und Schiller, aber auch Herzogin Anna Amalia, prägten Stadtbild und Kulturleben Weimars – das konnten wir bei einem halbtägigen Stadtrundgang auf eigene Faust erleben.
Der zweite Tag führte uns nach Buchenwald, eines der größten Konzentrationslager im Deutschen Reich. Nach 1945 wurde es in der Sowjetischen Besatzungszone als sowjetisches „Speziallager Nr. 2“ weitergenutzt. In kleinen Gruppen präsentierten wir vorbereitete Vorträge, während wir das Gelände erkundeten; einige Gruppen besuchten zusätzlich das Museum. Den Abschluss bildete eine kurze Gedenkveranstaltung, die von einigen Schülerinnen und Schülern gestaltet wurde.
Der dritte Tag verlief für alle unterschiedlich: Wir wählten Workshops aus – vom Schillerhaus und Goethehaus über die Anna-Amalia-Bibliothek und das Bauhaus-Museum bis zum Museum für Zwangsarbeit; sogar Urban Sketching stand zur Auswahl. Wir vertieften hier unsere Eindrücke der Vortage.
Bevor wir am Freitag nach Paderborn zurückkehrten, machten wir Halt in Geisa bei „Point Alpha“ an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Dort besuchten wir das Museum, nahmen an einer Führung teil und sprachen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Ost und West. So erfuhren wir, was die deutsch-deutsche Teilung für die Menschen in der Region – und darüber hinaus für ganz Deutschland und Europa – bedeutete.
Insgesamt haben wir viele bereichernde, aber auch erschütternde Einblicke gewonnen. Es war keine gewöhnliche Klassenfahrt, sondern – um aus dem Gedenkimpuls zu zitieren: „Darum sind wir heute hier – um zu gedenken.“
Autorin: Mira Schuster, 10a
