Ein Abend gegen die Ohnmacht – Aufführung des Literaturkurses

Mit großem Applaus endete am 08. Juli die Aufführung des Literaturkurses. Gemeinsam mit den Kunst- und Musikkursen gestalteten die Schülerinnen und Schüler einen außergewöhnlichen Abend zum Thema „Macht und Ohnmacht“. Dabei verbanden sich Theater, Musik und Bildende Kunst zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk.

Das Besondere an dem Projekt: Sämtliche Theaterszenen waren von den Jugendlichen selbst entwickelt, geschrieben und inszeniert. Mit großer Offenheit setzten sie sich mit Themen auseinander, die viele junge Menschen bewegen: Selbstzweifel, Leistungsdruck, Erwartungen von Eltern, Machtgefälle in sozialen Gruppen und das Gefühl, manchmal ohnmächtig zu sein.

Besonders eindringlich war eine Szene vor dem Spiegel, in der die körperliche Unsicherheit von Schülerinnen sichtbar wurde. Andere Szenen thematisierten die Macht des Handys und den Einfluss von Social Media und machten deutlich, wie sehr Vergleiche, Likes und ständige Erreichbarkeit Druck erzeugen können. Weitere Beiträge handelten von der Ohnmacht, die entstehen kann, wenn man in einer Gruppe Gleichaltriger nicht den Mut findet, die eigene Meinung auszusprechen oder sich gegen andere zu stellen. In einer abstrakten Tanzperformance wurde dieses Gefühl künstlerisch verdichtet: Eine Tänzerin in Rot wurde zunehmend von roboterartig agierenden Figuren umgeben und vereinnahmt, bis sie schließlich deren Bewegungen übernahm.

Auch Musik spielte eine zentrale Rolle. Der Musik-LK spielte „Dear Insecurity“ – eine Popballade, in der die eigenen Unsicherheiten adressiert werden und die als Leitsong immer wieder auftauchte. Die Rockband der Schule interpretierte „Numb“ von Linkin Park und griff damit die belastenden Erwartungen von Eltern und Umfeld auf: „I´m tired of being what you want me to be“.

Ergänzt wurde der Theaterabend durch im Kunstunterricht erzeugte Stop-Motion-Filme sowie eine umfangreiche Ausstellung der Kunstkurse. Zu sehen waren Objekte, Collagen, Bilder und Installationen, die teilweise durch Musikbeiträge des Musikkurses ergänzt wurden. Es ließen sich direkte Bezüge zwischen Kunstwerken und Szenen herstellen, z.B. griffen Kunstobjekte das Rot der Requisiten auf oder Posen auf der Bühne imitierten Francisco de Goyas Motiv des auf den Tisch gesunkenen Schlafenden. Durch diesen Dialog der künstlerischen Ausdrucksformen eröffneten sich neue Perspektiven auf das Thema Macht und Ohnmacht.

Den emotionalen Höhepunkt bildete die Schlussperformance: Wörter aus einem „schlimmsten Satz“, der Menschen verletzen und kleinmachen kann, waren auf Plakate geschrieben und wurden von den Darstellerinnen am Ende zerrissen und zerstört – ein starkes Zeichen der Selbstermächtigung, des Zusammenhalts und des Mutes, sich von verletzenden Zuschreibungen zu befreien.

Die Aufführung zeigte eindrucksvoll, wie kreativ, sensibel und reflektiert junge Menschen ihre Lebenswirklichkeit künstlerisch verarbeiten können. Das Publikum dankte allen Mitwirkenden der beteiligten Oberstufenkurse mit langanhaltendem Beifall.