„Seid Menschen." - Unterwegs zum Margot-Friedländer-Schulpreis 2026
„Seid Menschen." Mit diesem Zitat Margot Friedländers wurden wir am 12.10.2026 im Allianz-Forum in Berlin begrüßt. Wir, das war eine sehr kleine Delegation des THEO, die zur Verleihung des Margot-Friedländer-Schulpreises eingeladen wurde.
Margot Friedländer war Holocaust-Überlebende, die mit über 100 Jahren sich nicht nur gegen Antisemitismus einsetzte und junge Menschen über den Holocaust als Zeitzeugin aufklären wollte, sondern die auch schließlich eine Stiftung ins Leben rief, die ihre Arbeit auch nach ihrem Tod 2025 fortführen sollte. Die Margot-Friedländer-Stiftung ehrt seit 2024 jährlich Menschen, Organisationen und Schulen, die sich gegen Rassismus und Antisemitismus engagieren und Gedenken auf kreative Weise in den Alltag integrieren. Unsere Schule wurde für unser Engagement mit dem Schulprojekt „Die Kinder der toten Stadt" nominiert.
Neben den vier Aufführungen 2025, die von unterschiedlichsten Teams realisiert wurden, haben wir jüdische Schüler recherchiert, mehrere Gedenken gestaltet, an einer Gedenkstättenfahrt nach Theresienstadt teilgenommen, aus der eine jährliche Fahrt nach Weimar erwachsen ist und einen Baum wider das Vergessen gepflanzt.
Voller Vorfreude machten wir, Frau Michaelis, Frau Röder, Herr Wehrmann, Bado und Clara aus der 10b, Felicia aus der 9a und Max und ich, Mira, aus der EF, uns auf den Weg in die Hauptstadt. Nach einer fünfstündigen Zugfahrt haben wir uns zunächst ein wenig die Stadt, z.B. das Brandenburger Tor, die bekannte Straße "Unter den Linden", den Gendarmenmarkt, die Mall of Berlin, das wiedererrichtete Stadtschloss mit dem Humboldtforum, die zentrale Gedenkstätte für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft („Holocaust-Mahnmal“) und das Mahnmal für im Zweiten Weltkrieg verfolgte Sinti und Roma, angesehen.
Am Abend fand dann die Preisverleihung der Margot-Friedländer-Stiftung statt. Die Stiftung verlieh an diesem Abend insgesamt drei Preise: einen für das Engagement von Einzelpersonen, einen für Projekte und den bereits erwähnten Schulpreis. Im Allianzforum direkt im Herzen Berlins, in dem die Veranstaltung stattfand, wurden wir direkt von Margot Friedländers wichtigster Botschaft begrüßt: „Seid Menschen!“
Obwohl die Gründerin der Stiftung letztes Jahr verstarb, war sie doch präsent. Die Eröffnung der Preisverleihung erfolgte durch ein Video von ihr. Sie appellierte an die Menschlichkeit. „Es gibt kein jüdisches, kein christliches, kein muslimisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut." Die Holocaust-Überlebende fügte hinzu, die Arbeit ihrer Stiftung geschehe nicht für sie, sondern für uns, für unsere Gesellschaft.
Ausgezeichnet wurde an diesem Abend Prof. Dr. Guy Katz mit dem Persönlichkeitspreis für sein Engagement gegen Antisemitismus.
Der Schulpreis ging leider nicht an uns, sondern an die Europaschule Rövershagen. Die Schule hat eine AG, in der seit über 25 Jahren zu Kriegsgräbern geforscht und gearbeitet wird. Die AG pflegt unter anderem Kriegsgräber und Stolpersteine. Ihr gelingt es aber auch Jahr für Jahr die Erinnerung an Gefallene und Ermordete durch vielfältige Projekte wachzuhalten. Die Schüler:innen dieser Schule engagieren sich somit aktiv gegen Antisemitismus oder Rassismus und beleben die Erinnerungskultur. Wir waren uns alle einig, dass diese Schule den Preis auf jeden Fall verdient hatte! Aber auch wir sind sehr stolz darauf, es unter die besten drei Schulprojekte geschafft zu haben - bei über 50 Bewerbungen für den Schulpreis. Und so war allein die Einladung zur Preisverleihung, bei der auch unser Projekt durch einen Kurzfilm gewürdigt wurde und wir aktiver Teil der Abendveranstaltung direkt am Brandenburger Tor waren, eine sehr große Ehre für uns.
Paderborn ging trotzdem nicht leer aus, da der Bund der Deutschen Katholischen Jugend Paderborn den Projektpreis gewann. Das Projekt „Zeit ohne Zeugen“ hat verschiedene VR-Brillen-Module entwickelt, mit denen junge Menschen Orte wie das Anne-Frank-Haus oder Auschwitz betreten und so etwas über den Holocaust erfahren können. Die VR-Brillen können von Schulen kostenlos ausgeliehen werden.
Auch am nächsten Morgen hatten wir noch ein weiteres, wirklich spannendes Programm vor uns: Carsten Linnemann, seit August Gesundheitsminister, empfing uns im Gesundheitsministerium. Er zeigte uns sein Büro sowie einen ziemlich gut gesicherten Besprechungsraum - Orte, die "normale" Besucher eigentlich nicht zu sehen bekommen. In den 15 Minuten berichtete uns der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Paderborn von seiner Arbeit, den Herausforderungen und seinen Lösungsperspektiven.
Danach ging es weiter zum Reichstag, wo wir die Kuppel besichtigen konnten. Die Aussicht auf Berlin war dank des hervorragenden Wetters wirklich beeindruckend!
Bevor es zurück nach Paderborn ging, besuchten wir noch das Holocaust-Denkmal, das der ermordeten Juden Europas gedenkt. Nach einem Besuch im unterirdischen Besucherzentrum konnten wir durch das Mahnmal selbst gehen. Der Gang zwischen den Stelen war beeindruckend und bewegend. Die Stelen bekamen nun viel mehr Bedeutung als „einfach nur Steinklötze" zu sein. Sie erinnern uns, dass Millionen unschuldige Menschen auf grausamste Weise ermordet wurden; dass Familien auseinandergerissen, dass Menschen unendliches Leid erlebt haben – weil sie anders waren. Sie mahnen uns, nicht zu vergessen und für eine vielfältige und demokratische Gesellschaft einzustehen.
Mira Schuster, EF
