Zwischen Industrie, Kultur und Konsum – Exkursion der Q1 ins Ruhrgebiet

Dass sich das Ruhrgebiet wandelt, ist bekanntlich nichts Neues. Die Zechen wurden alle geschlossen, auch die Stahlproduktion ist eindeutig geschrumpft. Doch wie gut übersteht die Region diesen Wandel? Verliert das Ruhrgebiet etwa sein Gesicht?

Zum Beantworten dieser Fragen begab sich der Erdkunde-Grundkurs von Herrn Huneke samt einzelner Schüler des LKs und unter zusätzlicher Begleitung durch Herrn Wehrmann am 08. Juli 2019 auf eine Exkursion durch mehrere Städte des Ruhrpotts.

Im Rahmen einer Studientour des Regionalverbandes Ruhr besuchten die Schülerinnen und Schüler des THEO verschiedene Attraktionen der Region, die sinnbildlich für den Strukturwandel des Ruhrgebiets stehen.

Der erste Stopp fand in Essen statt, wo das Kruppsche Stammhäuschen besucht wurde, wovon die Gruppe zum heutigen Hauptquartier von ThyssenKrupp weiterzog, welches auf dem Gelände der ehemaligen Gussstahlfabrik erbaut wurde, nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang brach lag und das Herz des heutigen so genannten „Krupp-Gürtels“ darstellt.

Wir erfuhren im Laufe des Marsches die Geschichte der Firma Krupp, von den Anfängen im 19. Jahrhundert über die Waffenproduktion während der beiden Weltkriege bis hin zur heutigen Bedeutung der Firma für die gesamte Region. Auch das Projekt „Essen51“, ein Vorzeige-Bauprojekt zur Errichtung eines 51. Stadtteils, welches durch eine Vernetzung von Arbeiten, Wohnen und Leben glänzt, wurde vorgestellt.

Während der Busfahrten, die uns durch das Ruhrgebiet führten, versorgte die Reiseleiterin des Regionalverbandes die rund 30 Schüler stets mit Informationen zu (meist ehemals) bedeutungsvollen Orten wie Arbeiterwohnvierteln und stillgelegten Industrieanlagen.

Die nächste Attraktion war das Tetraeder nahe Bottrop; eine Stahlkonstruktion, die auf einer Halde als Aussichtsterrasse in Benutzung ist. Bei einer Höhe von 38 Meter (bzw. 120m NN) bietet das Denkmal einen atemberaubenden Blick über das Ruhrgebiet und garantiert dabei einen weiten Ausblick auf entfernte Sehenswürdigkeiten und Bauten wie die Veltins-Arena in Gelsenkirchen oder das Gasometer in Oberhausen. Das Gebiet rund um das Haldenereignis Emscherblick, so der offizielle Name, wurde 1995 eröffnet und dient der Naherholung.

Letzteres war dann eines der Ziele beim nächsten Halt. Beim Spaziergang zur „Neuen Mitte“ Oberhausens, überquerten wir auch über die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal, welche nahe des Gasometers verlaufen. Auch deren Funktionen, damals wie heute, wurden erklärt, so auch die des Flusses Emscher, die den Namen „Kloake des Ruhrgebiets“ inne hatte und teilweise noch hat, da dort seit dem Eintreten der Industrialisierung sämtliche Abwässer entsorgt werden - was den Paderbornern durch einen eher weniger angenehmen Geruch auch gebührend bewiesen wurde.

In dem Rahmen wurde auch die Renaturierung erläutert, wo das Gebiet rund um den 81km langen Fluss für ca. fünf Milliarden Euro seit den Neunzigern erneuert wurde, sodass aus dem ungeklärten Gemisch auch wieder ein richtiger Fluss wurde.

Von da aus war auch der Gasometer zu bewundern: In den 1920er Jahren als Europas größter Scheibengasbehälter erbaut, ist es heute mit seinen 117m Höhe die höchste Ausstellungs- und Veranstaltungshalle Europas und stellt somit ebenfalls ein sehr gutes Beispiel dar, wie aus alten Industriegebäuden neue Denkmäler und Touristenmagnete entstehen können.

Ein weiteres Merkmal des Wandels, den Einzug des Massenkonsums, durften die Schüler im Rahmen der Mittagspause ebenfalls bewundern: das CentrO, mit derzeit 125.000m² das größte Einkaufszentrum Deutschlands.

Den letzten Halt legte die Gruppe am Landschaftspark Duisburg-Nord ein, wo das ehemalige Hochofenwerk Meiderich erkundet wurde. Das Werk, welches zum Ende hin ThyssenKrupp gehörte, wurde 1985 stillgelegt und seitdem teilweise der Natur überlassen, sodass rundum das Fabrikgelände die Flora und Fauna Macht ergriffen hat.

Die Fabrik selbst wurde ebenfalls umgestaltet und macht der Bezeichnung „Park“ alle Ehre, so wurde der dortige Gasometer zu einem Tauchbecken umgebaut und die Lagerboxen bilden mittlerweile Spielplätze samt Kletterpark und eingelassener Rutsche.

Das ehemalige Industriegelände wird ebenfalls für Veranstaltungen genutzt, so wurden während des Besuches die letzten Vorbereitungen für das jährlich stattfindende Open Air-Kino getroffen. Dort konnte nach dem Tetraeder auch wieder Höhenluft geschnuppert werden, da auch die Hochöfen frei begehbar waren und somit ebenfalls einen einzigartigen Ausblick in luftiger Höhe ermöglicht haben.

Somit konnten die Schüler des Theodorianum auf eigener Faust erfahren, wie das Ruhrgebiet trotz des starken Rückgangs der Industrie, die immerhin das Gebiet erst so groß und relevant gemacht hat, seine Identität wahren kann - die Schülerinnen und Schüler wurden Zeugen erhaltener, umfunktionierter Industriestätten wie dem Landschaftspark, zum Ehren der vergangenen Zeiten erbauter Denkmäler wie den Tetraeder oder auch der Einfügung komplett neuer Bauten wie des CentrO in Oberhausens Neuer Mitte.

Wie wir sehen: Es ist durchaus möglich, Industrie, Kultur und Konsum in einer Region zu vereinen.

Florian Dürdoth, Q1