Wiedersehen mit Freunden - Besuch von unserer niederländischen Partnerschule Roosendaal

Das Gymnasium Theodorianum und das niederländische St. Norbertus College Roosendaal verbindet seit 2007 eine enge Schulpartnerschaft. Da Freundschaften gepflegt werden müssen, kamen wir auch dieses Jahr wieder zusammen: 52 niederländische, 29 deutsche Schülerinnen und Schüler sowie die sie begleitenden Lehrkräfte. Auf deutscher Seite waren dies die gesamte Klasse 9b und als Lehrer Dain Czeszak, Marvin Wehrmann und Martin Pfeiffer. 

Nachdem wir die letzten beiden Jahre auf Einladung der Niederländer nach Belgien gereist waren, war dieses Jahr unsere Schule als Gastgeber an der Reihe. Thema dieser Woche war - wie immer - die deutsche und europäische Geschichte vor allem des 20. Jahrhunderts, weil der Austausch an den Geschichtsunterricht in Klasse 9 angebunden ist. Mindestens genauso wichtig sollte aber die Begegnung untereinander sein, sodass nicht nur der Besuch von Museen und Gedenkstätten, sondern auch gemeinsame Freizeitaktivitäten geplant waren. 

Dementsprechend erwartete uns vom 3. bis 7. Juni ein vielseitiges und interessantes Programm: Es begann am Montagnachmittag mit einer gemeinsamen Stadtführung durch Paderborn, in welcher Niederländer und Deutsche in Kleingruppen auf Spurensuche gingen. Da die Stadtführung mit Hilfe von GPS-Geräten durchgeführt wurde, galt es, nicht nur sprachlich-kommunikative, sondern auch technische Hürden zu nehmen, was aber allen Gruppen sehr gut gelang. 

Am Dienstagmorgen ging es mit dem Bus zu den nahe gelegenen Externsteinen und dem Herrmannsdenkmal. Beide Ort sind nicht nur wunderschön gelegene Ausflugsziele, die jeder Paderborner kennt, sondern auch historisch hochinteressant, da sich hier exemplarisch studieren lässt, auf welch wechselvollen und zum Teil auch dunklen Pfaden die deutsche Nationalstaatsbildung im 19. und 20. Jahrhundert vonstatten ging. Um unseren niederländischen Gästen einen kleinen Einblick in den Sehnsuchtsort 'Deutscher Wald' zu geben, verknüpften wir unseren Besuch mit einer kleinen Wanderung durch das Gelände.

Am Nachmittag stand der Besuch der Wewelsburg auf dem Programm, die eng mit der Geschichte des Nationalsozialismus verknüpft ist: Zum einen wollte Heinrich Himmler die Wewelsburg zu einem großen Schulungszentrum der SS umbauen, zum anderen befand sich hier das KZ Niederhagen. Beide Aspekte wurden uns in einer Führung anschaulich präsentiert. Den Abschluss dieses langen Tages bildete ein gemeinsamer Bowling-Abend in Paderborn, bei dem alle Teilnehmer großen Spaß hatten. 

Am folgenden Tag begaben wir uns auf einen Ausflug nach Dortmund, der uns zu zwei ganz verschiedenen Museen führen sollte: Als erstes besuchten wir die Zeche Zollern, ein lebendiges Zeugnis der Industriekultur im Ruhrgebiet, wo wir viel über die Gewinnung und Verarbeitung der Kohle, die Industrialisierung in Deutschland und die damaligen Lebensbedingungen der Bergarbeiter lernten. Danach ging es zur Mahn- und Gedenkstätte 'Steinwache', welche ab 1933 als sogenannte "Hölle von Westdeutschland" traurige Berühmheit erlangte, da die Gestapo an diesem Ort tausende politische Gefangene und andere den Nationalsozialisten unliebsame Personen zu Unrecht inhaftieren und foltern ließ. 

Im Anschluss wurde allen Schülern Freizeit in Dortmund gegeben, um sich z.B. die Stadt anzusehen, shoppen zu gehen oder die beste Currywurst der Stadt zu suchen. Da Dortmund ohne Fußball nicht zu denken ist, konnten wir natürlich nicht nach Paderborn zurückkehren, ohne dem Westfalenstadion einen kurzen Besuch abzustatten. 

Am Donnerstag blieben wir wieder in der Umgebung von Paderborn: Am Vormittag besuchten wir die Dokumentationsstätte Stalag 326 in der Senne bei Stukenbrok. Hier existierte von 1941 bis 1945 ein großes deutsches Kriegsgefangenenlager, vor allem für die zahllosen sowjetischen Kriegsgefangenen, die als Zwangsarbeiter nach Deutschland gebracht wurden, und dort unter unmenschlichsten Bedingungen interniert waren. Der Besuch dieser zunächst etwas unscheinbar wirkenden Gedenkstätte war auch auf Grund einer fantastischen Führung eine intensive und zugleich bedrückende Erfahrung. Dies galt umso mehr, als viele Schülerinnen und Schüler über diese zahlenmäßig sehr große Opfergruppe der Nationalsozialisten (von ca. 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen kamen etwa 3,3 Millionen ums Leben) nur sehr wenig oder auch gar nichts wussten, da diese lange Zeit gleichsam in einer Art Erinnerungschatten lag. 

Da ein Schüleraustausch nicht nur aus Museumsbesuchen bestehen sollte, stand am Nachmittag ein Fussball-Turnier im Ahorn-Sportpark auf dem Programm: In packenden und mitunter auch emotional geführten 'Länderspielen' trugen die deutschen Teams letztlich den Gesamtsieg davon. 

Am frühen Abend trafen wir uns alle wieder am Theo, um ausgewählte Referate zum Thema Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg zu präsentieren, welche die niederländischen und deutschen Schülerinnen und Schüler über mehrere Monate im Unterricht vorbereitet hatten. Als gemütlicher Ausgang dieses Tages und zugleich der ganzen Woche fand dann in der Mensa eine große gemeinsame Grillparty statt. Etwas angestrengt und müde, aber mit vielen interessanten Eindrücken und Erfahrungen beschenkt mussten wir uns am Freitag von unseren Gästen wieder verabschieden. 

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass unser Austausch in dieser Form nur durch die großzügige Unterstützung wichtiger Förderer möglich war: Dem Land NRW, das Fördergelder bereitgestellt hat, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der mit dem Theodorianum eng kooperiert und uns auch finanziell unterstützt, sowie dem Förderverein unserer Schule (Vereinigung der Eltern und Förderer am Gymnasium Theodorianum e.V.). Für diese Hilfe möchten wir uns ausdrücklich bedanken!

 

Martin Pfeiffer